Das Haus verfällt und nimmt damit auf die eine oder andere Weise den gleichen Weg wie das Leben seiner ehemaligen Bewohnerin. Es beschleicht einen unweigerlich der Gedanke, dass es ebenso leidet – und sei es lediglich aufgrund des simplen Tatbestandes der Sympathie.
„Entwurzelt“, nennt es Dr. G., wenn Menschen ihr Zuhause verlassen, um fortan im Heim zu leben.
Während also die eine Seite entwurzelt ist, bleibt die andere ungeschützt zurück. Das Haus will nicht allein sein. Zumindest erscheint es mir so, denn so nach und nach beginnt es sich aufzulösen. Erst war es die Telefonleitung, zwischendurch immer wieder die Rauchmelder, dann ein Wasserüberlaufventil und Fenster, die nicht mehr richtig schließen. Es folgte die Toilette, die nicht mehr ordentlich spülen wollte, verstopfte Abflüsse und undichte, tropfende Wasserhähne. Eine Spülmaschine, die nicht mehr spült. Nun ist es die Heizung und ein durchgeschmorter Stromzähler. Das Haus leidet mit und ist gleichzeitig Zeuge und Zeugnis von Vergänglichkeit und Verletzlichkeit.
Nun bewohnt die Stille die Zimmer und die Geräusche des früheren Lebens ziehen sich in die Wände zurück, die Einrichtung ist ihrer einstigen Bestimmung enthoben. Die Gegenstände des Tagtäglichen harren aus, nicht ahnend, dass niemand mehr kommt, um sie wieder in Gebrauch zu nehmen.
All die Erinnerungsstücke werden zu Dingen, deren Bedeutung mit dem Weggang der Bewohnerin in die Belanglosigkeit versinkt. Und die mit ihnen verbundenen Geschichten verschwinden.
„Die Zeit heilt alle Wunden“, heißt es. Manchmal aber hinterlässt sie erst welche.


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