Steps to Stories

Wenn jeder Schritt zu einer (anderen) Geschichte wird


Wenn das Innere ein Außen ist

Im Zuge meiner Rückbesinnung und – bevor es auf große Fahrt geht – Reise zu mir selbst, wurde mir u.a. diese Frage gestellt: Wenn dein Inneres ein Haus wäre, welcher Raum bräuchte gerade frische Luft, ein bisschen Licht und deine liebevolle Präsenz?

Da stand er, der Satz, die Frage und bohrte Löcher in mein inneres Haus. Doch wirklich hell wurde es dadurch auch nicht. Der Nebel meiner Gedanken hing über allem. Kisten voller Enge stapelten sich. Anscheinend gab es keinen passenden Schlüssel und der Zugang zu mir selbst blieb mir verwehrt.

Sicherlich bin ich als Person, als Persönlichkeit ein Haus, mehr als ein Haus möchte ich sogar meinen. Die Frage, welcher Raum Luft, Licht und Zuwendung benötigt, hat mich lange beschäftigt. Ich bin eben niemand, der nicht so einfach aufgibt – trotz der Unmengen an Selbstzweifeln. Ich war sogar kurz davor, so weit zu gehen, dass es diesen Raum nicht gibt. Egal, welches Zimmer ich so vor meinem inneren Auge habe entstehen lassen, bei keinem gab es diesen Ah-ja-das-ist-es-Moment.

Doch bisweilen braucht es wohl oder übel einen zusätzlichen Impuls sowie eine extra Runde im Gedankenkarussell. Und jetzt ist mir klargeworden, dass es sich nicht um einen Raum im klassischen Sinne handelt. Es ist einfach der Raum vor meinem Haus. Der Garten. Mein innerer Garten. Und das wiederum macht absolut Sinn. Jemand, der sich als Zigeuner und flachwurzeliges Gewächs sieht, wird in den vier Wänden nicht das finden, was er sucht. Auch nicht das, was er braucht.

Und wenn ich mir meinen tatsächlichen Garten, den echten, so anschaue, dann stimmt es auch, dass er dringend Luft und Licht und vor allem Zuwendung braucht. Eine ganze Menge sogar. Es gleicht einem Urwald. Kraut und Rüben. Ohne diese jedoch. Einfach eine grüne Hölle. Ohne Struktur. Ohne Plan. Ein wildes Durcheinander. Das einst liebevoll arrangierte „Wilde“ ist verwildert.

Und das ist ebenfalls kein Wunder. Seit bald drei Jahren wird mein Draußen-Wohnzimmer von mir missachtet und vernachlässigt. Das schlechte Gewissen schleicht sich jedes Mal hinzu, wenn ich den Blick gen Garten wende. Dieser blickt anklagend traurig zurück. Meine Bemühungen, in diesem Frühjahr ihm wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen, sind zusammen mit den Gemüsepflanzen eingegangen und mit den Früchten vertrocknet bzw. als Dünger- und Tierfutter im immerwährenden Kreislauf der Natur untergegangen. Trostlosigkeit. Das beschreibt es ziemlich treffen. Innen wie außen. Auf einem solchen Boden kann nichts wachsen, was strahlen und einen mit Zuversicht und auch ein bisschen Glück erfüllen soll.

Es ist also an der Zeit, vor die Tür zu gehen, um im Inneren wieder Platz zu schaffen. Es geht darum, den Raum wieder mit mir selbst zu beleben – nicht mit Erwartungen von außen.



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