Seit Jahren träume ich vom Ausstieg. Vom Ausstieg aus dem Hamsterrad und einem Leben als Zigeuner. Das meine ich im positiven Sinne. Und auch im Romantischen. Sich vom Wind treiben lassen, von allem und jeden inspirieren lassen und das Geschenk des Lebens als solches würdigen.
Nun mag manch einer auf mich und mein Alter schauen und sagen: midlife crisis, was sonst. Und vielleicht ist es dem auch so. Aber wenn, dann ist es eine von der wirklich hartnäckigen Sorte. Denn auch nach über zehn Jahren, als sich die Idee bzw. der Traum das erste Mal in meine Gedanken schlich, ist der Wunsch im Grunde nur noch heftiger geworden. Und wenn sich die Schläge des Schicksals erst einmal in Reihe formiert haben, um auf einen einzudreschen, dann ist man durchaus schneller auf der Suche nach dem eigenen Weg.
Wenn die Frage nach dem Warum und Weshalb einen in die Verbitterung und Resignation treiben, dann fällt es schwer, einen klaren Blick zu behalten. Auf den Weg, der hinter einem liegt und was sich hinter der nächsten Weggabelung zeigen mag. Man ist zu einem gewissen Grad gefangen. Zwischen dem Gestern und Morgen, aber auch nicht wirklich in der Gegenwart, denn man ist sich selbst fremd. Und fremd im eigenen Leben. Niemand verharrt gern in der Verzweiflung.
Ich erkenne den Vorwurf, ich würde immer davonlaufen und flüchten also durchaus an. Und ich bin mir sicher, es sieht auch genau danach aus. Aber von außen sieht alles anders aus, denn die Brille, die wir aufhaben, spiegelt lediglich unsere subjektive Einschätzung wider. Und ja, wir nehmen uns immer mit, egal wohin und wie weit weg wir gehen oder zu flüchten versuchen. Aber manchmal muss man vielleicht wirklich aus dem eigenen Leben flüchten, um auf der Flucht anzukommen. Und zu sich zu kommen.


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