Steps to Stories

Wenn jeder Schritt zu einer (anderen) Geschichte wird


Die Tretmühle

Ich bin ja hinlänglich dafür bekannt, Entscheidungen hinauszuzögern, nochmals zu überdenken und dann ausgiebig zu warten, bevor ich einen bzw. den entscheidenden Schritt tue. Das trifft nicht auf alle Entscheidungen zu, was es besonders schwierig macht, da ich mitunter bisweilen selbst nicht weiß, wie sich manche Entscheidungen verhalten und mich quälen. Und selbst wenn ich mir dann sicher bin, in welche Richtung es gehen soll, brauche ich einen extra Schubser, oder die Zeit im Nacken, um aktiv zu werden. Dass dies mein Umfeld auch stresst, verunsichert und für Unverständnis sorgt, ist mir bewusst und wurde mir über die letzten Jahre auch gern immer wieder zum Vorwurf gemacht.

Nun, genug der unsinnigen Vorrede und des langen Anlaufes, ich habe gekündigt. Mit schlechtem Gewissen, wie es sich für mich gehört und fast schon entschuldigend, wie es so meine Art ist. Aber ja, ich habe gekündigt. Mir und, so meine Hoffnung, auch meinem Umfeld zuliebe. Wenn einem etwas dermaßen die Energie raubt, sollte man irgendwann das letzte bisschen davon nehmen und sich aus den widrigen Umständen befreien.

Natürlich war der Schritt unvermeidbar. So gesehen. Wer durch die Welt tingeln möchte, der kann nicht vierzig Stunden am immobilen Schreibtisch zubringen und anderen den Rücken freihalten. Doch im Grunde ist auch das nur die halbe Wahrheit. Es gibt Jobs, die zu einem passen, die einem nicht als Arbeit erscheinen und es gibt Situationen, in denen man ein Stück und für eine gewisse Zeit an und über seine Grenzen geht, weil man auf etwas hofft, weil man von etwas träumt, weil man einen größeren Plan hat.

Fühle ich mich nun gut, nachdem ich der Tretmühle meinen Abschied angekündigt habe? Nein, wenn ich ehrlich bin. Das mag jetzt daran liegen, dass es noch ein bisschen dauert, bis der tatsächlich letzte Tag mein erster Tag als Aussteigerin sein wird. Es liegt aber auch daran, dass es sich nun entscheidet, wie es weitergeht. Lassen sich meine Pläne vom Alltagsdruck abschrecken? Bin ich in der Lage, tatsächlich einmal nur auf mich zu schauen? Oder erliege ich am Ende doch wieder den Konventionen?



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