Vor etwa sechs Jahren habe ich, damals, in einem anderen Leben und auf meinem ersten Blog, den ich, wie so vieles in den letzten Jahren, der Liebe geopfert habe, einen Text über Anfänge verfasst. Nicht dieses „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, nein, es ging darum, wo ein Anfang zu verorten ist. Lässt er sich an einem konkreten Ereignis festmachen? Oder findet dieser auf eine gewisse Weise recht unbemerkt und schon lange vorher irgendwo in unseren Gedanken und Gefühlen statt?
Tja, schon damals war ich mir sicher, dass ein Anfang oftmals aus mehreren Komponenten besteht und nicht so eindeutig ist, wie wir uns das im Nachhinein vielleicht wünschen. Ganz anders bei einem Ende: Das lässt sich ziemlich klar definieren, auch wenn der Weg dahin schleichend verlaufen mag. Am Ende ist immer ein Punkt. So dachte ich. Damals.
Heute weiß ich, dass auch ein Ende nicht so einfach auszumachen ist, verschiedenste Varianten aufweisen und sich mitunter immer noch ein Ende an das vorherige anschließen kann. Und aus dem Punkt ein Strich wird. Etwas Langgezogenes. Obwohl man doch dachte: Jetzt ist es gut. Nur um, mal kurz, mal lang danach festzustellen, dass es eben doch noch nicht gut ist und man sich immer noch im Kreis dreht, verzweifelt in dem Bemühen, das Gedankenkarussell anzuhalten und einen Ausweg aus dem Labyrinth der Hirngespinste zu finden. Und selbst ein mit Nachdruck sich selbst versichertes „jetzt ist aber auch wirklich gut“ nicht immer den Schlusspunkt bedeutet.
Und wahrscheinlich erscheint einem gerade ein Ende, das einem nicht selbst gehört, als Verräter, denn es weigert sich beharrlich, wirklich zu schweigen. Das Ende ist gesprochen, aber die Stille, die folgt, ist keine leere. Sie ist voll. Voll von Stimmen, die man nicht bestellt hat und die man nicht loswird, egal wie sehr man sich mit aller Kraft dagegenstemmt. Und egal wie sehr man sich wünscht, endlich fertig zu sein – fertig mit dem Trauern, fertig mit dem Suchen, fertig mit dem Nachdenken –, denn am Ende hält einen genau dieses Wünschen fest. Das Begehren nach dem endgültigen Abschluss macht diesen gleichzeitig unerreichbar.
Und doch. Irgendwo, da wartet vielleicht kein Ende und kein Anfang, sondern einfach ein Moment, der sich nicht mehr dreht, sondern stillsteht. Kein Strick. Kein Punkt. Nur eine kurze, eine echte Pause. Und vielleicht reicht das ja für den Beginn.


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