Wie heißt es so schön: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das beschreibt ziemlich treffend den Punkt, an dem ich stehe. So kurz vor dem Aufbruch in ein neues, anderes Leben, scheint es, dass sich mehr als ein Stolperstein auf meinem Weg befindet. Eigentlich sind es schon die Ausmaße von Wackermännern. Ja, sie lassen sich überwinden. Das braucht Zeit und kostet Energie. Bei einem Akku, der mehr leer als voll ist, ein Unterfangen mit Potenzial zum auf halber Strecke liegenbleiben und untergehen. Erinnert mich in gewisser Weise an Don Quichotes Kampf gegen Windmühlen. Und dabei war ich doch gerade im Begriff, die Tretmühle hinter mir zu lassen.
Und es schmerzt. Sehr sogar. In zweierlei Hinsicht. Zum einen, weil ich meine Pläne verschieben muss (ich weiß: aufgeschoben ist nicht aufgehoben) und zum anderen, weil es meine geliebte Tante betrifft, welche recht unerwartet sich nicht mehr in der Lage fühlt, ihr alltägliches Leben zu bewerkstelligen. Sie hat ein gesegnetes Alter. Von daher kommt die Situation natürlich nicht so ganz überraschend, wenn auch zu einem gewissen Grad unerwartet. Und doch erscheint es mir ungerecht, sie so zu sehen. Auch das schmerzt. Sie war immer mein großes Vorbild und die Tatsache, dass sie selbst keine Kinder hat, ist selbstverständlich kein Kritikpunkt, führt nun allerdings dazu, dass es so gut wie niemandem Nahestehenden gibt, der sich um die benötigte Unterstützung und Hilfe kümmert.
Nun also gilt es, sich neu zu sammeln. Wie sagte A. vor nicht allzu langer Weile einmal: „Es gibt Dinge, die kannst Du ändern. Und dann gibt es Dinge, die kannst Du nicht ändern. Und dazu gehört eben auch die Tante.“ Ob das nun das berühmte Blut-ist-dicker-als-Wasser ist? Ja, könnte sein. Eher wahrscheinlich ist aber ebenso, dass Verantwortung und eine emotionale Verpflichtung mich jederzeit dazu bringen, jemandem, der schwach und hilfebedürftig ist, zur Seite zu stehen. Eigentlich ein durchaus menschliches Verhalten, möchte man meinen. Warum also die an Verbitterung grenzende Traurigkeit? Das Gefühl des Scheiterns – mal wieder?
Ich lege mir ja ebenso gern selbst Stolpersteine in den Weg wir ich mir diese dorthin legen lassen. Manch einer würde vielleicht auch sagen, dass mich immer nur nach anderen richte und keine Haltung besitze, die auch bereit bin, zu vertreten. Stehe ich mir am Ende also einfach nur immer selbst im Wege?


Kommentar verfassen